Das Smartphone brennt – die Antwort kannte die Datenwolke

Manche Menschen meinen ja, wenn sie sagen, ihr Smartphone würde brennen, dass da gerade besonders viele Nachrichten aus allen sozialen Kanälen eingegangen sind. Die nachfolgende Geschichte handelt aber von der sprichwörtlichen ‚Entflammung‘ des geliebten Begleiters und oftmals besten Freundes, denn: Es ist ein Phänomen, dass Lithium-Ionen-Akkus, wie sie vom Handy bis zum Auto gern verbaut werden, sich von Zeit zu Zeit selbst entzünden. Und wenn alle Berichte stimmen, ist ja gerade ein großer Autofrachter nach Übersee mit deutschen Autos verlustig gegangen, was dank guter Versicherung zwar den Verkauf angekurbelt hat, allerdings auch die Frage aufwirft, was jetzt wohl im Meer jenseits der Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik passiert.

Bleiben wir im Kleinen bei unseren geliebten Smartphones: Da gab es einen Smartphonetyp, bei dem sich Geräte ebenfalls plötzlich selbst entflammten, zum Schaden der (teuren) Handtasche, der guten Anzughose (vom Bein ganz zu schweigen) oder aber zur (eher nicht ungeteilten Freude) der mitreisenden Passagiere im Flugzeug.

Was hat das nun alles mit cyberphysischen Systemen, Industrie 4.0 und Internet of Things zu tun? Nun, das Phänomen trat selten auf, und es gab keinerlei Hinweise warum. Der Vergleich mit Chargennummer, Herstellungsdatum oder Schichtbesetzung, nichts erlaubte eine Vorhersage, welches Smartphone zurückgerufen werden musste. Allerdings war die Produktionsanlage, auf der die Endmontage erfolgte, bereits eine Industrie 4.0-Anlage, die alle Produktionsdaten präzise als Datenwolke aufzeichnete, und dies bezogen auf den jeweiligen Serientyp. Und genau das erlaubte folgende Erklärung: Bei jenen Geräten, die sich entflammten, hatte der pneumatische Muskel besonders viel Kraft aufgewendet, um Gehäuseober- und unterteil so zu verpressen, dass die anschließende Naht lasergeschweißt werden konnte. Mit dieser Erkenntnis wurde die laufende Produktion kontrolliert und neue Geräte, die bislang unbemerkt mit großem Kraftaufwand gefertigt wurden, zerlegt, und siehe da: Die Akkus wiesen eine geringfügig größere Dicke auf. Aber da niemand der Anlage gesagt hatte, dass es irgendwann mit dem Pressen gut ist und es keine Oberflächenschäden gab, hat die Anlage das getan, was sie sollte. Die Gehäuseteile um jeden Preis zusammenzufügen – leider auch um den Preis, dass das Gehäuse auf den Akku drückte, dadurch irgendwann die Isolationsschichten im Akku beschädigt wurden und ein Kurzschluss im Akku diesen schließlich sprichwörtlich zündete.

Die Schlussfolgerungen liegen auf der Hand: Wir müssen die exakte Akku-Dicke für den Einbau prüfen und der Anlage sagen, dass es eine Kraftbegrenzung gibt – mit Ausschuss zwar, der immer noch billiger ist, als herauszufinden, welches Smartphone beim Endkunden als nächstes nicht nur nicht mehr klingelt, sich dafür aber mit Flammen meldet …

Und so erwies sich die Datenwolke zwar nicht als allwissend, aber sie gab dem Menschen immerhin die Chance, zu verstehen, was passiert war.